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Autonomes Fahren: Sylt wird zur Teststrecke

Die Sylter Rundschau berichtet über unser Forschungsprojekt NAF-Bus. Zum Artikel


von Ralf Henningsen

Forschungsprojekt: SVG nimmt im Spätsommer einen fahrerlosen Elektrobus in ihre Flotte auf Sylt

 

 

Im Spätsommer kommt der Fortschritt nach Sylt: Ein kleiner Bus wird elektrisch über die Insel fahren – ohne einen Fahrer am Steuer. Der selbstfahrende Elektrobus ist Teil eines Forschungsprojektes, das das Bundesverkehrsministerium fördert. Auf welcher Strecke die Fahrgäste den Nahverkehr der Zukunft ausprobieren können, steht aber noch nicht fest.

Das Projekt für die Westküste heißt „NAF-Bus“ – es geht um die Entwicklung eines nachfragegesteuerten autonom fahrenden Busses. Das Vehikel könnte eines Tages für einen öffentlichen Nahverkehr ohne feste Routen und Fahrpläne eingesetzt werden. Damit wäre er besonders attraktiv für ländliche Regionen, wo der Roboterbus die letzte Lücke zwischen abgelegenen Siedlungen oder Dörfern und der nächsten Bus- oder Bahnstation schließen könnte.

Die Projektpartner in "NAF-Bus". Foto: Ralf Henningsen, Sylter Rundschau


 

 

Eine Folge des vielbeschworenen demographischen Wandels, denn der vertraute große Überlandbus lohnt sich vielleicht eines Tages nicht mehr, wenn kaum noch Menschen an der Strecke leben. Davon ist Sylt noch weit entfernt, aber die Insel verfügt mit der Sylter Verkehrsgesellschaft SVG über einen innovativen Busbetreiber: „Wir sammeln seit zwei Jahren auf der Insel schon viele Erfahrungen mit einem großen Elektrobus“, erläutert SVG-Chef Sven Paulsen. „Der autonome, elektrische Kleinbus ist unser nächstes internes Forschungsprojekt.“

 

Doch der Startschuss für das nordfriesische Pilotprojekt fällt auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande. Projektleiter Ralph Hirschberg von der Innovationsberatung EurA AG hat sein Büro auf dem ehemaligen Munitionsdepot der Bundeswehr. Vom 1. bis zum 3. Juni ist dort wieder das Grünstrom-Event geplant, und Hirschberg hofft, dass dann schon ein funktionsfähiger Elektrobus über das Gelände fahren kann. Bei einem Workshop am 20. Juni sollen dann auch die Kommunen und Behörden ins Boot geholt werden. Der Buseinsatz auf Sylt startet laut Projektplan im dritten Quartal 2018.

 

 

Welche Strecke bedient werden könnte, steht noch nicht fest, doch Sven Paulsen hält einen Einsatz in Keitum für denkbar. So könnte der NAF-Bus Fahrgäste vom Parkplatz am Ortsrand zum Heimatmuseum fahren. Um die Passanten müsse man sich keine Sorgen machen, sagt Holger Michelmann von der Firma interlink GmbH, einem Berliner ÖPNV-Zukunftsentwickler. Der Kleinbus ist ausgestattet mit jeder Menge Radar- und Lasersystemen, Kameras und Sensoren. Und im Probebetrieb schleicht er zunächst mit maximal 15 Stundenkilometern über die Straßen. Dritte Etappe des Forschungsprojektes ist dann der Einsatz auf dem nordfriesischen Festland.

 

 

Am Mittwoch dieser Woche trafen sich alle Projektpartner zur großen Runde im Lister Erlebniszentrum Naturgewalten: Die beiden beteiligten Busgesellschaften SVG und Autokraft, EurA und der Verkehrsplaner interlink, die Softwareschmiede Fast-Lean-Smart aus Heikendorf bei Kiel, der Flensburger Elektroantriebsbauer Moteg, der Betreiber des GreenTEC Campus sowie Vertreter der Kieler Christian-Albrechts-Universität, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Professoren aus drei Fakultäten sind mit an Bord – Dirk Nowotka aus der Informatik, Michael Stöber von den Rechtswissenschaften und Florian Dünckmann vom geographischen Institut. Mit der unfallfreien Fahrt des Busses allein wäre das Forschungsprojekt noch nicht abgeschlossen – die drei Institute und sieben Unternehmen erhoffen sich auch Erkenntnisse über Haftungsfragen, die Resonanz der Fahrgäste und vieles andere mehr.

 

Viereinhalb Millionen Euro kostet das NAF-Bus-Projekt. 2,38 Millionen Euro stellt das Bundesverkehrsministerium zur Verfügung, 2,1 Millionen Euro bringen die beteiligten Firmen ein. Drei Fahrzeuge zum Stückpreis von 200.000 bis 250.000 Euro sollen angeschafft werden. Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt, also bis Juli 2020.

 

In List diskutierten die Experten unter anderem, welcher Fahrzeugtyp als erstes angeschafft werden soll. Infrage kommen zwei französische (Navya und Easymile) und ein deutsches Modell (HFM). Als nächstes wird bestellt – und damit rückt die Zukunftsvision von der automatisierten Fortbewegung ohne Lärm und Abgas in greifbare Nähe.

 

Internet: www.naf-bus.de

 

 

 

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